„Sonntag ist für Begegnung da – und manchmal bringt man dabei Dinge mit (Skandal!)“

Liebe Nachbarschaft, liebe Freund:innen des MittenDrin,

offenbar haben wir ein Problem.
Ein richtiges. Kein kleines. Kein „Der Kuchen ist schon wieder alle“-Problem.
Nein – ein Verwaltungsproblem.

Unser monatlicher Nachbarschaftsbrunch bei dem Menschen miteinander reden, lachen, wirken und wo ab und an Sachen die Eigentümer:innen wechseln wurde entdeckt.
Also nicht von euch. Sondern von der Macht, dem Ordnungsamt.
Und nicht nur das: Wir wurden sogar in die Kategorie „gewerblich“ eingestuft.
Wir. Die Nachbarschaft. Beim Brunchen. Mit Kuchenkrümeln im Bart.

Falls jemand von euch bisher dachte, wir würden heimlich ein Handelsimperium aufbauen: Leider nein. Die „MittenDrin Holding GmbH & Co. Kaffeekasse KG“ befindet sich noch in der Gründungsphase.
Wir sind einfach nur Menschen, die sich treffen wollen, um nicht zu vereinsamen, um miteinander zu reden und um Dinge weiterzugeben, die andere vielleicht noch brauchen. Nachhaltigkeit, Gemeinschaft, Solidarität – ihr wisst schon, diese gefährlichen Dinge.

Unser Flohmarkt ist kein Business‑Modell.
Er ist das Topping auf dem täglichen Salat.
Er ist ein „Ich brauch das nicht mehr, willst du’s haben?“.
Ein „Oh cool, das such ich schon lange!“.
Ein „Ach wie schön, dich mal wieder zu sehen!“.

Dass das Ordnungsamt darin eine Bedrohung der öffentlichen Ordnung erkennt, ehrt uns fast ein bisschen. Wer seit über 30 Jahren Räume gegen Vereinsamung schafft, scheint wohl wirklich mächtig zu sein.

Und falls sich jemand fragt, was wir sonst so sonntags tun. In einer Zeit, in der vieles vereinzelt, durchgetaktet und durchkalkuliert ist, halten wir es für eine gute Idee, Räume zu schaffen, in denen Menschen einfach zusammenkommen. Wir reparieren übrigens ganz nebenbei auch noch die Vandalismusschäden der letzten Zeit – gemeinschaftlich, mit Werkzeug, Kaffee und vermutlich zu viel Improvisation.

Weil wir der etwas gewagten These anhängen, dass Solidarität nicht nur ein schönes Wort ist, sondern sich gelegentlich auch in Farbeimern, Schraubenschlüsseln und helfenden Händen ausdrückt.
Man könnte fast sagen: auch das passiert ohne Gewerbeanmeldung.

Deshalb bleibt es dabei:
Wir laden euch weiterhin herzlich zum monatlichen Nachbarschaftsbrunch ein – diesmal eben mit dem Flohmarkt, der keiner sein darf, aber trotzdem stattfindet.
Nicht, weil wir rebellisch sein wollen, sondern weil wir glauben, dass Begegnung wichtiger ist als Bürokratie, und dass Nachbarschaft nicht am Sonntag Pause macht.

Kommt vorbei, bringt gute Laune mit, vielleicht ein paar Dinge, die ein neues Zuhause suchen – und zeigt, dass lebendige Nachbarschaft kein Verwaltungsakt ist, sondern ein Miteinander.

Bis Sonntag – wir freuen uns auf euch.
(Und versprechen, niemandem eine Gewerbeanmeldung unterzuschieben.)