Begriffserklärung

Was ist Zwangsarbeit?
Was Zwangsarbeit ist, dürfte den meisten klar sein: Es handelt sich um Arbeit die unter Androhung einer Strafe gegen den Willen eines Menschen erzwungen wird. Soviel zur Definition. Spannender ist es aber die Dimension der Zwangsarbeit im deutschen Faschismus zu beleuchten…

Während des zweiten Weltkrieges beuteten die Nazis etwa 10 Millionen Menschen durch Zwangsarbeit aus. Diese enorme Menge von vollkommen entrechteten Kriegsgefangenen und verfolgten Minderheiten erhielten nur das, was für ihre physische Erhaltung absolut notwendig war (z.B. Nahrung und Kleidung) – und oftmals nicht einmal das, denn die Nazis setzen Zwangsarbeit auch gezielt als Mittel der Vernichtung ein. Vollkommen unterversorgt starben hunderttausende an den schweren und gefährlichen Arbeiten, die sie verrichten mussten.

Der Einsatz von Zwangsarbeiter_Innen war für die Nazis kriegsentscheidend. Zum Einen wurde die männliche Bevölkerung für den Kriegsdienst in die deutsche Wehrmacht eingezogen, zum Anderen hatte die Kriegswirtschaft einen riesigen Bedarf an Arbeitskräften nach sich gezogen.

Entgegen ihres eigenen Selbstverständnisses waren die „Nationalsozialisten“ keineswegs antikapitalistisch. Vielmehr wollten sie eine starke, deutsche Privatwirtschaft, die durch den Krieg und die damit verbundenen Aufträge riesige Profite einstreichen konnte. Es ging den Nazis um die Dominanz deutscher Konzerne, nicht um die Beseitigung kapitalistischer Unzulänglichkeiten. Viele deutsche Konzerne sind in dieser Zeit „groß“ geworden und auch nach dem Krieg geblieben – auf Kosten der Zwangsarbeiter_Innen.

Für die Besitzenden war es eine wahre Blütezeit: Keine oder nur minimale Lohnzahlungen, Unterbringung der Zwangsarbeiter_Innen in den Lagern der SS, nahezu keine Sicherheitsstandards und Arbeitskräfte auf Bestellung (die SS vermietete „ihre“ Zwangsarbeiter_Innen). Alle großen deutschen Konzerne (Siemens, Bayer, Höchst, Mercedes, etc.) beteiligten sich an diesen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und profitierten davon, aber auch kleine Betriebe zwangen Menschen zur Arbeit. Die bis heute (widerwillig) geleisteten Entschädigungszahlungen sind geradezu lächerlich gering, gemessen an den erzielten Gewinnen in dieser Zeit durch die Ausbeutung. Auch teilweise Enteignungen (also die Wegnahme des unrechtmäßig erworbenen Besitzes) und Konzernzerschlagungen (wie bei der IG Farben, die das Zyklon B für die Gaskammern lieferte) wurden in den Nachkriegsjahren wieder zurückgenommen.

Den gesamten Komplex der Zwangsarbeit wird Thomas Kuczynski am 03.08.2011 in einer der Infoveranstaltung im Rahmen des Workcamps behandeln.

Wir fordern eine angemessene Entschädigung für alle durch die Nazis Ausgebeuteten und Ermordeten bzw. deren Hinterbliebenen. Nur die Enteignung der Konzerne und die Verwaltung der Betriebe durch die Beschäftigten kann verhindern, dass auch in Zukunft private Interessen über den allgemeinen Menschenrechten stehen. Das Kapital stampft alle menschlichen Gesetze, solange nur die Profite hoch genug sind – das dürfen wir nicht zulassen!

Für uns gibt es kein Vergeben und kein Vergessen für die Verbrechen der Nazis, ihrer Helfer und Nutznießer. Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus!

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Was ist Kapitalismus?
Teil 2 unser kleinen Infoserie, diesmal Kapitalismus. Die anderen Definitionen findest du hier

Kapitalismus ist eine Wirtschafts- und Gesellschaftsform, deren oberstes Ziel nicht die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse ist (jeder hat was zu essen, ein Fahrrad etc.), sondern die Gewinnmaximierung. Oder anders: Ein Brot wird gebacken damit es verkauft werden kann und nicht um Menschen zu sättigen. Der Tischler macht einen Tisch, weil er ihn verkauft nicht weil jemand seinen Tisch braucht. Banken spekulieren auf Gewinne/Verluste und vergeben Kredite nicht weil sie so wohltätig sind, Medikamente werden nicht entwickelt um Menschen gesund zu machen etc., etc… Der positive Effekt ist immer zweitrangig. Wenn du das Medikament nicht bezahlen kannst musst du eben verrecken – ganz einfach.

Im Kapitalismus gibt es eine sehr starke Einteilung der Gesellschaft nach unterschiedlichen Merkmalen, die bestimmen wie weit oben jemand in der Hierarchie steht. Zu nennen sind da z.B. der soziale Status (Beruf, Einkommen, Stellung etc.), das Geschlecht oder die Herkunft. Wichtiger aber noch ist die gesellschaftliche Spaltung in Besitzende (Eigentümer) und Besitzlose (Eigentumslose).

Aber ich bin doch nicht besitzlos oder?
Doch bist du – und dann auch wieder nicht 😉 Besitz sagt aus: du hast etwas und besitzt es weil du es brauchst (z.B. ein Fahrrad um in die Schule zu fahren, Brot zum Essen). Eigentum hingegen ist ein zentrales Element im Kapitalismus, welches aussagt: Dieses und jenes gehört mir, auch wenn ich es nicht benutze. Das wichtige dabei ist das die Person dann entscheiden kann wer etwas benutzen kann und wer nicht. Und jetzt in einem Beispiel: Mir gehört eine Fabrik (mein Eigentum) und ich entscheide was produziert wird – die Gesellschaft hat nicht genügend Fahrräder, aber ich will lieber Panzer bauen – im Kapitalismus mein gutes Recht, das vom Staat unter dem Vorwand der Gleichheit rigoros verteidigt wird („Das ich eine Fabrik hab und du nicht ist erst einmal dein Problem“).

Und was ist jetzt das Problem?
Der gesellschaftliche Reichtum – also alles das was die Menschen zusammen erarbeiten – kommt nicht in erster Linie der Gesellschaft zu gute sondern immer dem/der Eigentümer_In. Im Kapitalismus ist Arbeitskraft nur eine Ware wie alles andere auch, die gekauft und verkauft werden kann. Bei unserem Fabrikbeispiel wäre das etwa so: Ich habe 100.000Euro und habe eine Fabrik die Fahrräder produziert. Mit dem Geld bezahle ich die Rohstoffe und die Arbeiter_Innen. Dann werden die Fahrräder verkauft und auf einmal habe ich 150.000Euro… Das geht, weil die Arbeit einen „Mehrwert“ geschaffen hat (Also aus Alu und Schrauben ein Fahrrad gebastelt haben). Und irgendwo muss dieser Mehrwert ja herkommen… Jo, der wurde den Arbeiter_Innen geklaut – oder anders: die erste Hälfte des Tages arbeitest du für dich, die zweite für deine Chef_in. Das ist was wir als Ausbeutung bezeichnen. Die/der Chef_in oder eben der/die Kapitalist_in muss nichts machen, nur besitzen und wird trotzdem reicher. Im Grunde ist er/sie also ein faule_r Arbeitslose_r, der auf Kosten der Gesellschaft lebt 😛

Wie du vielleicht gemerkt hast, ist es sehr hilfreich im Kapitalismus Eigentum (Bäckerei, Fabrik, etc.) zu besitzen. Wenn du all das nicht hast musst du dich nämlich selber verkaufen gehen (bzw. deine Arbeitskraft). Dies reicht vom Putzen, Schrauben, Schießen bis zum Backen. Was du machst sollte flexibel und austauschbar sein, so wie wir es früh in der Schule beigebracht bekommen haben…

Das Schlimme ist, dass durch den Wettbewerb (Bspw. in der Nachbarfabrik werden auch Fahrräder gebaut) gnadenlose Konkurrenz unter den Menschen entsteht – wer entwickelt zuerst die neusten Produkte und kann sie verkaufen – das ist die entscheidende Frage um die sich alles dreht. Befürworter_innen des Kapitalismus sehen das als etwas gutes, weil dadurch sehr schneller Fortschritt entsteht und nur die „Besten“ auf dem Markt bestehen können. Die Frage ist nur zu welchem Preis? Der Fokus liegt klar auf dem Profit, also darauf aus Geld und Eigentum noch mehr Geld zu machen. Den Kapitalisten_innen (Fabrikbesitzer_innen, Bäcker_innen, Tischler_innen) ist es egal wenn dabei die Umwelt zerstört wird oder wenn Menschen an Giften sterben, die durch die Produktion freigesetzt werden.

Der Kapitalismus gibt von Anfang an zu, dass nicht alle gewinnen können. Aber alle können es angeblich zu etwas bringen („vom Tellerwäscher zum Millionär“). Das sind die Märchen, die die Leute anheizen auch untereinander in Konkurrenz zu treten („Guck mal ich will noch weniger Lohn haben, als der neben mir – nimm mich und nicht ihn/sie“). Im Ergebnis ist der Kapitalismus verantwortlich für den Welthunger (bis zu 100.000 Menschen sterben jeden Tag an Unterversorgung (Essen, Trinken, Medikamente), mehr als 1 Milliarde Menschen sind unterernährt), Umweltzerstörung, Krieg und dafür dass unser Leben nicht schön sondern stressig ist. Und das obwohl für alle genug da wäre.

FazitEine Gesellschaftsform die soviel Schisse baut und uns nichts zu bieten hat, als jeden Monat ein neues Iphone (doch um welchen Preis…), überlebensgroße Werbeflächen, Drucker mit Selbstzerstörungsmechanismen usw. ist für uns Moppelkotze! Das die Mehrheit arm sein muss(!), damit eine Handvoll Menschen super-reich ist? Moppelkotze! Kapitalismus wir wünschen dir alles schlechte! An deinem Grab werden wir ganz sicher nicht heulen.

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Was ist Faschismus?

Intro:

Mit der kleinen Inforeihe, wollen wir versuchen, Begriffe die für unsere politische Arbeit wichtig sind, genauer zu definieren. Wir machen den Versuch, „Faschismus“ ohne wissenschaftlichen Anspruch zu erklären so gut es geht – dabei sind wir selbst in Diskussion, soll heißen, dass sich auch unsere Definition ständig ändert und weiterentwickelt.

Jede und Jeder hat einmal mit ihnen Kontakt gehabt, ob in der Klasse, auf der Straße, als Gegendemonstrant oder sogar im Freundeskreis. Oft mit kurzgeschorrenen Haaren, meist aggressiv, aber manchmal auch als nette Jungs und Mädels von neben an – Faschisten. Doch was ist Faschismus eigentlich?

Und was zur Hölle hat dass mit mir zu tun?


Wenn von Faschos geredet wird dann meist in Zusammenhang mit: „Die haben was gegen Ausländer“ – fertig. Doch so einfach ist es nicht. Faschismus ist ein politischer Begriff zu dem es unzählige Interpretationen und Meinungen gibt. Selbst die Presse, die ja sonst eher durch einheitliche als durch differenzierte Berichterstattung glänzt, ist sich nicht wirklich einig (bzw. nutzt diesen Begriff einfach inflationär für das „Böse“).

Faschisten haben ein eigenes Weltbild, das auf Begriffen wie Heimat, „Blut und Boden“ oder „Rasse“ aufbaut – alles was nicht zu der eigenen Gruppe (in Deutschland z.B. die Volksgemeinschaft) gehört, gilt als fremd und damit als falsch. Hierbei werden einzelnen Personen und Gruppen konkrete Eigenschaften zugeordnet. „DIE Ausländer sind alle kriminell, DIE Schwulen sind alle pervers, DIE Juden wollen nur das Geld usw. usw…“ Wir alle kennen diese und ähnliche Vorurteile, auch wenn wir sie nicht teilen. Dies ist ein zentrales Element des Faschismus, ebenso wie die daraus abgeleitete soziale Wertigkeit ( Einteilung in „wertes und unwertes Leben“) die auch bis zur Vernichtung von als fremd empfundenen Menschen und Traditionen führen kann. Generell werden in faschistischen Staaten Oppositionelle, anders Denkende, politische und ethnische Minderheiten (z.B. Kommunist_Innen, Sinti und Roma, Juden, Homosexuelle etc.) als unnütz angesehen und brutalst verfolgt bzw. als „unwertes Leben“ vernichtet.

Dadurch das auch in der heutigen Gesellschaft soziale Ausgrenzung und Konkurrenz gelebt wird und durch die kapitalistische Ordnung zementiert werden, existieren auch heute noch viele viele Anknüpfungspunkte für faschistische Ideologien. Oder einfacher gesagt: Wer Migrant_Innen, Juden, Muslimen, Menschen mit Behinderungen oder sozial Schwachen die Schuld für gesellschaftliche Probleme zuschiebt, ist auf einem guten Weg selbst Faschist zu werde (siehe zum Beispiel Sarrazin).

OK, schön und gut aber was hat das jetzt wieder mit mir zu tun? Ist doch lange her und wir sind ja heute eine Demokratie – die paar Spinner, die das nicht checken…

Wie vorhin schon gezeigt, gibt es ja trotzdem Anknüpfungspunkte über Diskriminierung von Minderheiten, behauptete gemeinsame kulturelle Wurzeln und über die Identifikation mit der „eigenen“ Nation wird eine „Volksgemeinschaft“ (z.B. Kampagnen wie: „Du bist Deutschland“) gebildet und behauptet, dass alle „Deutschen in einem Boot“ sitzen. Aber was hat ein deutscher Bankmanager mit einem deutschen Obdachlosen gemeinsam? Oder was unterscheidet den deutschen BMW-Arbeiter vom italienischen? Hat ein Mensch aus Libyen die selben Rechte wie eine EU-Bürgerin? Menschenrechte gibt es für Faschisten wenn überhaupt nur für das „eigene Volk“.

Leben wir also im Faschismus?

Nein! „Aber der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das Kroch“ (B. Brecht). Kapitalismus führt zu Einordnung in Wertigkeiten (wie nützlich, produktiv, leistungsfähig etc. und damit zu Anknüpfungspunkten für faschistische (Ungleichheits)-Ideologien). Dennoch gibt es in den westlichen Demokratien zumindest Rechte und eingeschränkte Mitbestimmungsmöglichkeiten (Presse, Gewerkschaften, Parteien).

Faschismus hat also viele Facetten und nicht alle konnten hier genannt werden. Die wichtigen wie Führerkult, (totale) soziale Unterordnung, Ausgrenzung und wirtschaftlicher Background konnten nur angeschnitten werden.

Für Menschen, denen Gleichheit und das friedliche Zusammenleben von Lebenswesen wichtig ist, bleibt Faschismus keine Meinung sondern ein Verbrechen.

Totaler Quatsch? Das ist alles ganz anders und du kannst sagen wie? Dann schreib uns und sag wie es richtig geht!