Am 04.03.2012 meldet sich A. R. aus Berlin bei uns mit folgender Nachricht, die uns tief beeindruckte. Wir möchten uns bei der Autorin recht herzlich bedanken und gleichzeitig andere ermutigen, uns auch mit ihren Erinnerungen oder mit Zeitungsartikeln aus dieser Zeit zu unterstützen.

In Kürze werden wir mit einer Interview-Reihe beginnen, die dann als Kurzdokumentation veröffentlicht werden soll. Bitte unterstützt uns, falls ihr daran mitwirken möchtet oder könnt!

Gemeinsam gegen das Vergessen!

Liebe Leute,
mit Interesse habe ich über Ihre Initiative zum Gedenken an Emil Wendland gelesen, ebenso den Artikel in der MA, den mir meine Mutter zuschickte.
Ich lebe schon seit 1989 in Berlin, bin aber gebürtige Neuruppinerin und habe über 6 Jahre mit Emil Wendland in einem Haus in der Rudolf-Breitscheid-Strasse 18 gewohnt.
An ihn habe ich nicht immer die besten Erinnerungen, denn er war damals schon – 1982 – 1989 – ein starker Trinker und hat uns manches Mal um den Schlaf gebracht. Trotzdem war er immer höflich und zurückhaltend freundlich, wenn man sich im Hausflur sah, sofern er nüchtern war. Und man sah ihm an, dass er mal bessere Zeiten gekannt haben muss. Davon wussten wir aber nichts, so nah kamen wir uns nie.
Er legte immer, wenn er wieder mal stark getrunken hatte, eine Schallplatte mit der Rede Salvador Allendes (deutsche Übersetzung) auf, die dieser kurz vor seinem Tod im Regierungsgebäude in Santiago gehalten hatte, öffnete weit das Fenster und sprach sie auswendig mit. Das fand ich damals bemerkenswert, trotz der immensen Ruhestörung mitten in der Nacht.
Als ich von seinem grausamen Tod hörte, war ich sehr erschüttert und wütend und habe mich für meine Heimatstadt geschämt, zumal das in allen Medien präsent war und ich auf der Arbeit hier in Berlin darauf angesprochen wurde.
Einige Jahre später gab es hier in Berlin auf dem Ernst-Reuter-Platz eine Aktion für die Opfer von Neonazis und da fand sich auch ein weisses Kreuz für Emil Wendland. Das hat mich sehr berührt und ich habe mich für ihn gefreut, dass er auf diese Weise noch einmal ins Gedächtnis der Menschen kam.
Das wollte ich Ihnen mitteilen, vielleicht ist es ein kleiner Aspekt des Gedenkens und hilft Ihnen weiter.
Viel Erfolg und herzliche Grüße
A. R. aus Berlin