Auf zum Antifa-Camp Ravensbrück vom 20.-27.07.2013

Kein Vergeben – kein Vergessen – damit kein Gras über die Sache wächst!

Mit diesen Worten soll nun schon das vierte Antifa-Camp in Ravensbrück stattfinden. Wir wollen und können die alten Verbrechen der Nazis nicht vergessen und wir akzeptieren auch nicht die heutigen Taten der Neonazis. Wir vergessen nicht, wie sie Millionen von Menschen vernichtet haben, sie durch Zwangsarbeit ausgebeutet haben und wer davon letztlich profitiert hat.
Die Ausbeutung und Vernichtung fand in den Konzentrations- und Vernichtungslagern ihren Höhepunkt, aber die Rahmenbedingungen dazu gibt es im globalen Kapitalismus immer noch. Und auch heute gibt es immer noch Menschen und staatliche Organe, die auf dem rechten Auge blind sind und zusehen, wie rassistische Morde begangen werden. Aber anstatt gegen den Terror vorzugehen, wird der Staatsfeind Nr. 1 links gesucht.

Genau hier liegt unsere Motivation, sich aktiv mit den Themen Faschismus, Rassismus und Kapitalismus auseinander zu setzen und gemeinsame Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten.
Denn wir haben auf solch eine Welt und auf menschenverachtende Ideologien keinen Bock.
Dazu werden wir uns mit verschiedenen inhaltlichen Themen beschäftigen, sowie auf dem ehemaligen Siemensgelände, welches zum Lagerkomplex Ravensbrück gehört, Pflegearbeiten durchführen. Wir wollen erreichen, dass der Ort nicht in Vergessenheit gerät und Teil der öffentlichen Gedenkstätte wird. Aufgrund der Pflegearbeiten ist es möglich, das Gelände für Zeitzeugen_innen mit dem Auto zugänglich zu machen. Weiterhin wollen wir in der Zukunft einen stärkeren Druck auf den Konzern Siemens aufbauen, damit dieser endlich zur Verantwortung gezogen wird. Wir finden, es ist eine Verhöhnung der Opfer des Faschismus, sie mit einer einmaligen und dazu noch sehr geringen Zahlung in dem Entschädigungsfonds der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ abzuspeisen.

Um unsere Inhalte stärker in die Öffentlichkeit zu tragen, werden wir Videotagebücher, Pressearbeit und einen Aktionstag machen. Über die konkreten Aktions- und Öffentlichkeitsformen entscheidet das Camp und damit ihr. Das Camp ist nämlich basisdemokratisch- jede und jeder trägt zum Gelingen der Woche bei und auch im Vorfeld freuen wir uns über praktische Mithilfe.

Gemeinsam gegen Faschist_Innen auf allen Ebenen! Im Gedenken an alle Kämpfer_Innen gegen den Faschismus und für eine befreite Gesellschaft! Auf zum Antifa-Camp Ravensbrück 2013 vom 20.- 27.07.2013!

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Unser Camp-Knigge

Für einen solidarischen Umgang untereinander haben wir hier einen kleinen Leitfaden dafür, was auf dem Camp cool ist und was wirklich gar nicht geht. Wer Spaß an mackrigem, sexistischen Verhalten hat, sollte am besten gar nicht weiter darüber nachdenken, ob er_sie am Camp teilnehmen möchte! Der alltäglichen Praxis von Rassismus, Diskriminierung, Grenzüberschreitung und Gewalt (ob verbal oder körperlich) wollen wir einen möglichst sicheren Raum für das Camp entgegen setzen.

  • Jede Person, die sexistisches Verhalten (Diskriminierung aufgrund des jeweiligen Geschlechts) bemerkt, soll sich eindeutig parteiisch und solidarisch mit der betroffenen Person zeigen.
  • Jede Person, die ein_e Campteilnehmer_in angreift, belästigt, bedroht oder sonst diskriminiert, hat bei der Gruppe nichts mehr zu suchen und reist auf der Stelle ab. Das gilt natürlich nicht bei antifaschistischem Selbstschutz.
  • Bei allen Entscheidungen und Aktionen haben alle Teilnehmenden das gleiche Stimmrecht. Wer meint sich über Teilnehmende stellen zu müssen oder auszuschließen, muss sich dafür verantworten.
  • Achtet auf euch und eure Mitmenschen. Fragt nach, bevor ihr etwas mit oder für eine andere Person tut. Nur die jeweils betroffene Person selbst weiß, wann ihre Grenzen überschritten wurde und wann und wie sie Hilfe benötigt.

Es geht nicht um “Oberlehrerhaftes-alle-müssen-sich-zwingen-nett-zu-sein-Verhalten“, sondern darum, dass wir miteinander ein schönes Camp verbringen wollen und deswegen die Bedürfnisse anderer Menschen beachtet.
Ohne Nazis und Faschisten!
Ohne Sexisten und Macker!
Ohne Rassisten und Antisemiten!
Ohne die ganzen anderen scheiss Idioten!

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Selbstverständnis für das Antifa-Camp Ravensbrück

Das Ravensbrück-Camp, welches wir zusammen mit euch planen, hat folgende Grundsätze:

Antifaschistisch!
Das Camp versteht sich als eine antifaschistische Initiative. Wir wollen uns während des Camps mit den Verbrechen der Nazis auseinandersetzen, ihre Vorgehensweisen interpretieren und die notwendigen Schlüsse für unsere heutige Gesellschaft ziehen. Nur wenn wir verstehen, worauf die Ideologie der Faschisten aufbaut, werden wir in der Lage sein den Faschismus von heute effektiv zu bekämpfen.

Emanzipatorisch!
Emanzipation bedeutet frei übersetzt: Selbstbefreiung und Ermächtigung. Wenn wir uns als emanzipatorisch bezeichnen, heißt das für uns, dass wir gesellschaftlichen Zuständen, die uns schon lange ankotzen, den Kampf ansagen. Und leider gibt es davon viel zu viel: Ob nun Mackertum, Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Rassismus, Antisemitismus – wollen wir alles nicht haben. Für das Camp heißt das: Wir akzeptieren die Verschiedenheit aller Teilnehmenden in jeder Hinsicht. Wer aber andere aufgrund von irgendwelchen tatsächlichen oder zugeschriebenen Eigenschaften diskriminiert, hat auf dem Camp nichts zu suchen. Das müssen wir schon das ganze restliche Jahr ertragen! Die Campwoche bedeutet Schutz- und Rückzugsraum für alle Beteiligten.

Selbstermächtigung!
Ebenso wichtig ist es, ein anderes Verhältnis zu Arbeit zu entwickeln. Wir (die Vorbereitungsgruppe) werden euch keine mundgerechten Häppchen servieren. Auch das gibt es schon überall viel zu oft. Das Camp ist viel mehr ein Gemeinschaftsprojekt, welches eben nur ein Erfolg sein kann, wenn sich auch alle irgendwie nach ihren Möglichkeiten einbringen. Oder anders ausgedrückt: “Wir brauchen keinen starken Mann, denn wir sind selber stark genug! Wir wissen selber was zu tun ist, unser Kopf ist groß genug!” (Rio Reiser – R.I.P.)

Hierarchien einschränken!
Dieser Punkt hängt eng mit dem vorherigen zusammen, verdient aber eine “Extra-Würdigung”, weil es hiermit bekanntlich die meisten Probleme gibt… Hierarchien abbauen bedeutet, dass nicht einzelne Personen durch ein “mehr an Wissen und Funktionen” auch mehr zu sagen haben. Alle Camp-TeilnehmerInnen haben gleich viel zu entscheiden und mit zureden. Und das muss auch immer wieder eingefordert werden. Denn nur so können wir auf Augenhöhe miteinander leben und arbeiten!

 

Basisdemokratie!
Wir sind unzufrieden mit der bestehenden parlamentarischen Demokratie in diesem Land! Demokratie ist für uns, Einfluss auf ALLE Prozesse zu haben, die das eigene Leben betreffen – ein Kreuz alle paar Jahre reicht uns nicht, wir wollen uns selbst um unsere Belange kümmern. Bewegung und positive Veränderungen kommen immer von “unten” – die Einschränkung dieser erkämpften Freiheiten jedoch ausschließlich von “oben”. Wir tragen diese Erkenntnisse im Herzen und wollen sie in das Camp einfließen lassen.

Antikapitalistisch!
Ein Wirtschaftssystem, dass nicht für die Bedürfnisse der Menschen, sondern lediglich für den Profit einzelner produziert, hat in unseren Augen kein Recht sich sozial und frei zu nennen. “Frei” ist im Kapitalismus nur die Verfügungsgewalt über das “eigene” Eigentum. Den 800 Milliardären auf diesem Planet stehen 800.000.000 Millionen Hungernde gegenüber. Und auch das Siemenslager war in der kapitalistischen Verwertungslogik nur eine konsequenter und legitimer Schritt sich gegen Konkurrent_Innen durchzusetzen. Ellenbogengesellschaft, fremdbestimmte Lohnarbeit, Verwertungszwang – finden wir alles scheisse. Erst wenn der gesellschaftliche Reichtum auch gerecht unter den Menschen geteilt wird und diese zusammen entscheiden, was wo wie wann und warum produziert wird – erst dann kann Hunger und Krieg auch wirksam bekämpft werden.

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