Solidarität mit den Geflüchteten im Hungerstreik!

Ravensbrück – Wir, das Antifa Camp Ravensbrück, solidarisieren uns mit den hungerstreikenden Flüchtlingen in Eisenhüttenstadt und fordern ein Ende der unmenschlichen, systematischen und rassistischen Abschiebepraxis. Die Verantwortlichen müssen ihre Hinhaltetaktik aufgeben und endlich auf die Forderungen der Geflüchteten eingehen!

Seit dem Suizid von Djamaa Isu Ende Mai steht der Abschiebeknast Eisenhüttenstadt wieder im Fokus der öffentlichen Kritik. Bei einer Solidaritätsdemo gab es den unterstützenswerten Versuch, die inhaftierten Menschen zu befreien. In diesem Knast werden Menschen festgehalten, einfach nur weil sie nicht den „richtigen“ Pass besitzen. Mit einem Hungerstreiks machen nun mehrere Flüchtlinge seit über einer Woche erneut auf die unhaltbaren Zustände aufmerksam. Ihr Zustand ist mittlerweile lebensbedrohlich.

Wir unterstützen die Streikenden in all ihren Forderungen, zu denen die Aufhebung der Haft, ein fairer Zugang zu einem unbürokratischen Asylverfahren, der freie Zugang zu externer, unabhängiger medizinischer und psychotraumatischer Versorgung, ein freier und kostenloser Rechtsschutz sowie der Zugang zu unabhängigen Dolmetscher_innen gehören.

Es kotzt uns an, dass Geflüchtete wie Menschen zweiter Klasse behandelt und mit rassistischen Sondergesetzen drangsaliert werden. Viele von ihnen sind traumatisiert – was sie hier in Deutschland aber erwartet ist nicht etwa Unterstützung und psychologische Betreuung sondern Ausgrenzung und rassistische Hetze und zwar nicht nur von den eindeutig Rechten, sondern auch aus der sogenannten bürgerlichen Mitte oder staatlichen Institutionen wie der Polizei.

Wir sind solidarisch mit allen kämpfenden Flüchtlingen! Ihre Forderungen sind berechtigt. Abschiebeknäste sind unmenschlich und gehören ersatzlos abgeschafft.
Die Beschäftigung mit der faschistischen, deutschen Vergangenheit reicht nicht aus, struktureller Rassismus ist immer noch vorhanden und
muss endlich aus den (deutschen) Behörden, Gesetzen und allen Köpfen verschwinden!

No borders! No nations! Stop the deportation!
Kein Mensch ist illegal!

Ravensbrück, 23.07.2013

Das Plenum des Antifa Camp Ravensbrück 2013

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4. Tagesbericht – Hochmotiviert am Gleisprojekt & neuer Wegesabschnitt (Dienstag, 23.07.2013)

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Es geht nun mit großen Schritten voran. Die Arbeit ist zwar sehr anstrengend, aber schön und es wurde wirklich viel geschafft. Das bedeutet in diesem Fall, dass am Vormittag zwei neue Gleisbetten freigelegt werden und drei weitere ausgebessert und der Zugangsweg zum Großteil von Unkraut befreit ist. Eine neue Strecke, der Zufahrtsweg für Besucher_innen wurde angefangen, zu dem auch eine Mauer gehört, die zum Mittag schon halb von der Natur befreit war.
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Trotz der immer währenden Hitze und starker Rückenschmerzen, ganz zu schweigen von der unglaublichen Mückenplage, haben so ziemlich alle offensichtlich große Freude daran, zu sehen, was sie alles schon geschafft haben. Probleme wie diese wurden durch gelegentliche Massagen und Mückenspray in Schach gehalten.

Am Nachmittag ließ eine kleine Gruppe den Workshop ausfallen und schaffte innerhalb von drei Stunden drei weitere Gleisbetten. Es geht voran!

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Die Tage verlaufen ansonsten ruhig und es gibt keinerlei bemerkenswerten Konflikte, sei es nun innerhalb der Gruppe oder mit der Gedenkstättenleitung. Selbst über das Essen konnte in diesem Jahr nicht in großem Stil gemeckert werden. Einzig auffällig ist die Anzahl der kleineren Verletzungen, die sich vor allem J. im Verlaufe der Tage zugezogen hat. Der Rekord im Moment liegt bei drei Verletzungen am Tag, gekrönt von einer blutenden Nase. Inzwischen wurden beim Essen leise Vermutungen aufgestellt, ob J. überhaupt in einem Stück, ohne fehlende Körperteile, zuhause ankommt. Momentan sieht es gut aus. Wir hoffen, dass die Situation hier so beständig bleibt.

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3. Tagesbericht – Sonne, doppelt Workshops & Neuankömmlinge (Montag, 22.07.2013)

Am dritten Tag unseres Camps wurde wieder produktiv gearbeitet und obwohl die Erschöpfung uns anzusehen war, gingen wir motiviert an die Arbeit. Die hohen Temperaturen plagten uns, so folgten wir dem Schatten und es konnte am Zugangsweg konnte weiter gearbeitet werden und die Gruppe am Gleis schaffte es, drei Gleisbetten des Vorjahres aufzufrischen und ein unberührtes, neues fertigzustellen. Zur Erfrischung sprangen danach einige in den See.

 

Heute bekamen wir Support von ein paar Nachzüglern, die mit dem Fahrrad angereist waren. Diese kamen aber leider nicht mehr in den Genuss der zwei Infoveranstaltungen, die optional besucht werden konnten. Zur Wahl standen die Themen „Siemens in Ravensbrück“ und „Beziehungen zwischen den Häftlingen und deren Widerstand im KZ“, die in der neuen Ausstellung stattfand. In beiden Thematiken konnten wir uns die Informationen selbständig erarbeiten und uns anschließend austauschen.

Zum Abendessen erreichten uns vier Neuankömmlinge, die die Anreise per Fahrrad unternommen hatten und uns die nächsten Tage unterstützen werden.

 

Im Plenum, welches draußen und in etwas größerer Runde stattfand, wurde mit vorsichtigem Optimismus angedeutet, dass der Weg zu den Schienen im Siemenslager in absehbarer Zeit fertig werden könnte. Dies löste große Freude aus und es wurde gemeinsam beschlossen, den Abend mit guter Musik und in lockerer Atmosphäre zu verbringen. Dabei sollten wir es aber ruhig angehen lassen, denn schließlich müssen wir morgen wieder frisch ans Werk.

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2. Tagesbericht – Zugangsweg und Gleise (Sonntag, 21.07.2013)

Geschafft! Der erste richtige Arbeitstag in unserem Camp geht zu Ende. Er fing genauso an, wie der letzte endete, nämlich recht entspannt. Die erste Freude kam bereits beim Frühstück auf, da es sensationeller Weise Obstsalat im Angebot gab.
Gesättigt und auch motiviert, begaben wir uns pünktlich zu unserer Arbeit auf dem Siemensgelände, wo bei herrlichem Wetter viel geschafft wurde.

P1000283nDieses Jahr wurde darauf verzichtet, auch an den Fundamenten zu Werke zu gehen, weshalb sich allein auf die Gleise und den Weg dorthin konzentriert wurde. Obwohl man jedes Jahr erneut an dem Zugangsweg arbeitet, ergibt sich am ersten Tag eines jeden Camps dasselbe Bild und die Notwendigkeit, dass man erneut daran arbeiten muss, denn die Natur holt es sich zurück!ie Arbeit ging mit hoher Motivation schnell voran und so wurde entschieden, dass der Zugangsweg verbreitert wird.

Je nach Schattensituation konnte ebenso an den Gleisen gearbeitet werden: zum Einen wurden Gleisbetten der vergangenen Jahre vom Moos befreit und zum Anderen ein neues angefangen.
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Erschöpft, schmutzig, aber ziemlich zufrieden mit dem Geschafften fanden wir uns zur Mittagszeit wieder in der Jugendherberge ein, wo uns bereits ein – diesmal veganes – Essen erwartete.

Am Nachmittag wurde dann auf dem Gelände ein Selbstverteidigungskurs abgehalten, wobei die Teilnehmer sichtlich viel Spaß hatten und mit viel Elan mit dem vorhandenen Material übten.

Nach dem Abendessen waren schließlich alle wieder fit für das Plenum, welches erneut viel lockerer war als erwartet.
Der erste Tag verlief also sehr vielversprechend, ohne nennenswerte Krisen und Probleme. Wir sind voller guter Hoffnung, dass dies auch so bleibt.

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1. Tagesbericht – We’re back! (Samstag, 20.07.2013)

Es ist wieder so weit. Heute, am 20. Juli 2013 startete unser viertes alljährliches „Ravensbrück Workcamp“. Wieder hat sich dafür eine Gruppe junge Erwachsener auf der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Ravensbrück bei Fürstenberg, versammelt, um sieben Tage lang im angrenzenden „Siemenslager“ ehrenamtlich zu arbeiten. Die Anreise erfolgte auf unterschiedlichste Weise, wie etwa mit dem Auto, dem Zug oder mit dem Fahrrad.

IMG_4337nNachdem sich um den Aufbau und die Zimmerbesichtigung gekümmert wurde, konnte es dann auch schon losgehen. Zum Abendessen hatte sich bereits eine ausgelassene und motivierte Gruppe eingefunden. Jedoch musste estgestellt werden, dass nicht jedem Koch klar ist, dass Speck und Ei nicht vegan sind. Davon ließen wir uns jedoch nicht die Stimmung vermiesen und so kamen auch alle fast pünktlich und entspannt bei unserem Plenum im Freien an.

Pläne für die Abendgestaltung, eventuelles Grillen und ähnliches wurden in einer lockeren Atmosphäre aufgestellt oder einfach konsequent auf morgen verschoben.
Der sonnige erste gemeinsame Tag in unserem Camp endete in einer sehr illustren, kartenspielenden Runde und erwartungsvoll wurde dem nächsten Tag entgegengefiebert.

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Noch 15 Tage…

313586Hallo ihr Lieben,

wir haben einige Zeit nichts von uns hören lassen… Das tut uns leid, aber wie einige vielleicht wissen, hat die Vorbereitungsgruppe mal eben einen Bahnhof in Neuruppin gekauft. Schwupsdiwups! Und weil das viel Arbeit bedeutet und weil wir dieses Jahr mit der Förderung auch wirklich Pech hatten, mussten wir das Camp von 60 Plätzen auf 25 Plätze verkleinern. Wir sind damit auch alles andere als glücklich (auch die Infos auf dieser Seite und die Pressearbeit sind “überschaubar”), aber mehr war eben dieses Jahr nicht drin.

Dafür gibts dann im nächsten Jahr wieder ein richtig großes Camp!

So genug gejammert! Das Camp dieses Jahr findet trotzdem statt und es gibt auch noch 5 freie Plätze (im Notfall kriegen wir auch noch weitere Plätze organisiert). Der Zeitplan steht und wird in der kommenden Woche auch eingearbeitet. Wenn ihr konkrete Fragen habt, zu den Dingen die ihr mitbringen müsst und was alles sonst noch so sein kann: dann fragt! Am Besten per Mail an info@jwp-mittendrin.de

Auf, auf zum Antifa-Camp Ravensbrück 2013!

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Siemens und “die Vernichtung durch Arbeit”

Einen etwas älteren und längeren, aber trotzdem sehr informativen Beitrag zum Umgang von Siemens mit Zwangsarbeit möchten wir euch an dieser Stelle nicht vorenthalten. Es handelt sich um eine Rede des “Aktionsbündnisses 150 Jahre Siemens – Entschädigung jetzt!” aus dem Jahre 1997. Der Beitrag erschien auch in der Interim-Ausgabe 433.

DIE VERLEUGNETE VERANTWORTUMG: SIEMENS UND ZWANGSARBEIT IM NATIONALSOZIALISMUS

“Die erforderlichen Arbeiten waren leicht und sauber und konnten zu 90% im Sitzen ausgeführt werden,” heißt es im SIEMENSbericht vom 31. Oktober 1945 über die Arbeit der Zwangsarbeiterinnen im Siemenswerk des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück. In Erwartung einer Anklage hatte man einen Bericht erstellt, der die Beteiligung des Siemenskonzerns an der “Vernichtung durch Arbeit” zynisch beschönigte. Die Berichte der Überlebenden sprechen eine andere Sprache: “Wir arbeiteten an Pressen, Drehbänken, Bohrmaschinen und einer Art Sägemaschine. Die Arbeitsbedingungen in Ravensbrück waren sehr schwer und es gab häufig Unfälle. Wir waren auf diese Arbeit keineswegs vorbereitet Ich persönlich war noch Schülerin der Normalschule gewesen und hatte nie eine Maschine gesehen. Das alles trug dazu bei, daß wir uns oft in sehr schlimmen Situationen befanden. Es gab Verletzungen an den Händen, durchbohrte Finger und oft bekamen wir Eisensplitter in die Augen, denn die Maschinen hatten keinerlei Schutzvorrichtungen. Auch im Labor war die Arbeit gefährlich, wir mußten mit Säuren umgehen. Es kam zu Übelkeiten und Erbrechen. Und bei der stehenden Arbeit wurden sehr viele Arbeiterinnen, sehr viele Häftlinge, ohnmächtig. Waren die Häftlinge verletzt oder krank, so schickte man sie ins Lager zurück und Siemens konnte erneut die Auswahl treffen unter jungen Häftlingen, die neu ins Lager gekommen waren, und so die fehlenden Arbeitskräfte ersetzen,” faßt Rita Guidon, die vor ihrer Deportation Schülerin in Brüssel war, die Realität der Zwangsarbeit bei Siemens in Ravensbrück zusammen.

Bis heute wird von Siemens der Wahrheitsgehalt dieser Aussage bestritten.Siemens bestreitet nämlich jeden engeren Zusammenhang zwischen dem Nationalsozialismus und der Entwicklung des Siemenskonzerns in jenen Jahren. Ungern will man an die Worte Carl Friedrich von SIEMENS erinnert werden, mit denen er amerikanische Industrielle 1931 zu beeindrucken suchte: “Hitler hat seine wirklichen Anhänger zu starker Disziplin erzogen, um revolutionäre Bewegungen des Kommunismus zu verhindern.” Ungern daran, daß Siemens wie alle anderen Großunternehmen die Nazis unterstützte und der Führer sich nicht lumpen ließ, als er wenige Wochen nach der Übergabe der Macht an seine Partei im Februar 1933, Carl Friedrich von SIEMENS in den Generalrat der Deutschen Wirtschaft berief. Noch im selben Jahr gründete man eine Firma, die speziell die Aufrüstung der Wehrmacht unterstützte.

SIEMENS profitierte von der Volksgemeinschaft und war Vorreiter des nationalsozialistischen Zwangsarbeitsprogramms. Schon 1938 wurden jüdische Arbeiterinnen und Arbeiter in gesonderte Abteilungen versetzt, später profitierte SIEMENS in Berlin als erstes von Zwangsarbeit internierter Jüdinnen und Juden. Auch in Auschwitz war SIEMENS aktiv, überall dort, wo die Wehrmacht hinkam, war auch die Siemens-Bau-UNION, in deren Bergwerken in Südosteuropa, zum Beispiel in Bor, Serbien, eine bis heute unbekannte Zahl von Menschen, vor allem Serben, Roma und Juden “durch Arbeit vernichtet” wurden: sie mußten sich zu Tode arbeiten. Auch an der Verlegung von Rüstungsproduktionsstätten untertage beteiligte man sich; Zehntausende KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter wurden dorthin verlegt, um ihrer letzten Kräfte beraubt und dann ermordet zu werden. Bis heute behauptet Siemens, die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter wären der Firma, die in Ravensbrück immerhin bis zum 12. April 1945 arbeiten ließ, von der SS aufgezwungen worden. Tatsächlich aber belegen Aussagen von Zeuginnen aus Ravensbrück, daß SIEMENS die Häftlinge nicht nur angefordert, sondern Siemens-Manager diese selber ausgesucht haben.
Diese Aufzählung ließe sich beliebig erweitern; es mag an dieser Stelle genügen, daß nur wenige diese grenzenlose Ausbeutung überlebten. Die Zahl der Opfer dieser Verbrechen ist unbekannt. Bekannt ist jedoch, daß es im Sommer 1944 innerhalb der Grenzen des Deutschen Reichs etwa 8 Millionen sogenannte Fremdarbeiterinnen und Fremdarbeiter sowie KZ-Häftlinge und Zwangsverpflichtete waren, deren Arbeitskraft ausgebeutet wurde, die Belegschaft des Siemenskonzerns von 250.000 bestand zu einem Drittel aus Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern. Das Fundament der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft waren diese Millionen Menschen; und sie waren auch das Fundament des schnellen Aufstiegs der Bundesrepublik: gerade während des Krieges machten SIEMENS, IG Farben und MERCEDES BENZ, um nur drei zu nennen, große Profite, die diesen Firmen ein beinahe nahtloses Weitermachen ermöglichten. Am 12. Oktober 1997 wird Siemens in großem Stil das 150. Firmenjubiläum in Berlin begehen. Es soll Abschluß und Höhepunkt eines Jahres sein, in dem Siemens 150 bruchlose Jahre Erfolg zu präsentieren geplant hatte, aber doch zumindest partiell an eine Vergangenheit erinnert wurde, die, wie Nolte sagt, nicht vergehen will.

Mit einer Reihe Aktionen, für die der Aufruf für die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiterlnnen von der Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis initiierend gewesen ist, wurde immerhin erreicht, daß SIEMENS wenigstens die Einweihung eines Denkmals für die ehemaligen Zwangsarbeiterlnnen, denen man keine Entschädigung zahlen will, absagen mußte. Ebenso läßt die großangekündigte Studie über den SIEMENSkonzern in der NS-Zeit, an der an der konzernnahen Universität Erlangen gearbeitet wird, bisher auf sich warten. Ende April, zur gleichen Zeit wie die jährlich stattfindende Gedenkveranstaltung in Ravensbrück, sollte das Denkmal eingeweiht, die Studie veröffentlicht werden – die Absage der Denkmalseinweihung begründete der Berliner Siemens -Pressesprecher mit zu erwartenden Störungen. Offensichtlich ist das Haus SIEMENS überrascht, weil es schlicht nicht damit gerechnet hat, nach so langer Zeit noch einmal mit der Vergangenheit konfrontiert zu werden.
SIEMENS ist selbstverständlich nach wie vor nicht gewillt, auch nur einer Zwangsarbeiterin aus Ravensbrück, auch nur einem Zwangsarbeiter aus Auschwitz Bobrak Entschädigung zu zahlen. Daß der SIEMENS-konzern in den sechziger Jahren an 2.203 jüdische Überlebende lächerliche Summen zahlte, war weniger das Ergebnis eines Sieges als einer Niederlage: von 6.000 gestellten Anträgen wurde nur ein Drittel bewilligt, weil die Kriterien für die Entschädigung von SIEMENS selbst diktiert wurden. Als im Juli 1991 gegen die ehemalige Siemens-Zwangsarbeiterin Waltraud Blass entschieden wurde, ihre Ansprüche seien verjährt, war die Strategie des Hauses SIEMENS damit von einem deutschen Gericht legitimiert SIEMENS konnte nun davon ausgehen, zwar nach wie vor von Überlebenden gemahnt, aber nicht mehr verklagt zu werden.

Gegen die Aussparung der Wahrheit jener 12 Jahre geht es uns darum, geltend zu machen, daß jene 12 Jahre für uns Ausgangspunkt der Betrachtung deutscher Geschichte sind. Seit Jahrzehnten kämpfen die Überlebenden gegen die Verleugnung von Schuld und Verantwortung, die sich in der verweigerten Entschädigung ausdrückt. Gegen die Lüge und die Verleugnung stehen die historischen Tatsachen und die Zeugnisse der Überlebenden. Sie und ihre Forderungen sollen am 12. Oktober im Mittelpunkt stehen. Von heute an bis zum 12. Oktober ist es unser Ziel, einer größeren Öffentlichkeit zu vermitteln, daß Entschädigungszahlungen keine Almosen sein dürfen und können; daß gerade die Überlebenden in Osteuropa – viele von ihnen ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter für deutsche Firmen – eine Regelung brauchen, die ihre soziale Situation verbessert; und daß Firmen wie SIEMENS dazu gezwungen werden müssen, ihren Teil dazu beizutragen. Darüber hinaus geht es uns aber auch darum, daß nicht wiederholt wird, was wir mittlerweile aus fast fünfzig Jahren bundesdeutscher Entschädigungspraxis kennen: Antragstellerinnen und Antragsteller dürfen nicht mehr wie lästige Bittsteller behandelt werden, das Ziel der Entscheidung dieser Anträge nicht mehr eine Ablehnung ist. Um zu einer Regelung zu kommen, braucht es einen Bruch mit dieser Praxis, die für viele Überlebende eine “zweite Verfolgung” war. Was angemessen wäre, trauen wir uns ja kaum noch zu denken: eine einheitliche Rente für alle Verfolgten des Nazi-Regimes, überall, bezahlt von den deutschen Firmen und vom deutschen Staat.
Wenn jetzt am 12. Oktober SIEMENS den Höhepunkt des Jubiläumsjahres feiert, werden wir auf einer Protestveranstaltung mit ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern deutscher Firmen aus Polen, Tschechien, Rußland, Holland und Deutschland sowie hoffentlich auch aus Israel und weiteren Ländern unseren Forderungen Nachdruck verleihen.
Wenn sich am Abend des 12. Oktober die Spitzen von Politik und Wirtschaft im Berliner ICC treffen, treffen wir uns zu einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der “Vernichtung durch Arbeit”; während bei Siemens 150 Jahre Erfolg gefeiert werden, erinnern wir an den Preis dieses Erfolges. Während Bundeskanzler Kohl spricht, werden wir Esther Bejarano zuhören, die über ihre Zeit in Auschwitz-Birkenau und bei Siemens in Ravensbrück berichten und Lieder aus dem Widerstand singen wird. Während Siemens-Chef von Pierer sich selbst feiert, werden wir einen Vortrag hören über die Verantwortung der Konzerne für die “Vernichtung durch Arbeit”. Während die Besucher des Siemens-Festaktes unterhalten werden, wird Jalda Rebling Celans Todesfuge rezitieren.

Im Namen des Aktionsbündnisses 150 Jahre SIEMENS Entschädigung jetzt! möchte ich mich für die Gelegenheit, hier sprechen zu dürfen, bedanken, und meinen Beitrag mit einem Zitat der schon eingangs zitierten ehemaligen Siemens -Zwangsarbeiterin Rita Guidon schließen:
Wenn Ich Jetzt durch Brüssel gehe und Ich sehe In der Nähe des Bahnhofs Mitte die große SIEMENSfabrik und wenn Ich In den Schaufenstern Apparate sehe mit der SIEMENSfabrikmarke, den beiden Ineinandergeschlungenen S, dann denke Ich Immer an die Grausamkeiten des Konzentrationslagers. dann überkommt mich ein Gefühl von Traurigkeit und Abscheu.”
ENTSCHÄDIGUNG ALLER EHEMALIGEN SIEMENS-ZWANGSARBEITER/INNEN – JETZT!

*Rede des Aktionsbündnisses 150 Jahre Siemens – Entschädigung jetzt! zur Gedenkveranstaltung für die Opfer des deutschen Faschismus in der Gedenkstätte Plötzensee am 14. September 1997

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Historische Bilder von Ravensbrück von 1940-1959

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Wer nicht feiert hat verloren

Diese Soliparty ist ein MUSS für jeden!

22.Juni Rote Flora (Hamburg)
– vorher Infoveranstaltung zum Camp
– Einlass ab 19 Uhr
– Konzert mit: Kira Kanoa
– weitere Infos folgen

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Die Orga-Gruppen

Das Camp ist ein Gemeinschaftsprojekt und lebt daher von der Mitwirkung aller Teilnehmenden. Wir haben keine Lust, euch alles in mundgerechte Häppchen zu servieren. Wir möchten das sich alle einbringen, handeln und selber Erfahrungen machen, da wir alle selbstdenkende Individuen sind.
Dabei ist es völlig egal, wenn mal etwas in die Hose geht, den nobody is perfect oder anders gesagt, jede und jeder hat mal klein angefangen.
Die Orga-Gruppen benötigen keine Vorerfahrungen und werden auch nicht von Menschen “betreut” die vielleicht damit rumpralen cooler zu sein, weil sie mehr Wissen. Wir haben keinen Bock auf Hierarchien!


Presse-OG

Die Presse-OG schreibt Artikel über den jeweiligen Tag, diskutiert, layoutet diese und stellt sie auf die Homepage. Zudem steht diese Gruppe in Kontakt mit der lokalen Presse und gibt, sofern die Möglichkeit besteht, Pressemitteilungen heraus oder lädt Pressevertreter zu den Arbeitsprojekten ein.
Des weiteren wollen wir in diesem Jahr wieder versuchen regelmäßig ein kleines Videotagebuch zu machen. Der technische Schickschnack wird von uns bereits gestellt.


Aktionstag-OG!

Am letzten Tag findet immer unser Aktionstag statt. Zur Ideensammlung, Planung und Durchführung brauchen wir aktionsorientierte und kreative Menschen.Wir könnten einen kleine Demo machen, einen antifaschistischen Frühjahrsputz, ein Straßentheater usw. usf. Die Gruppe müsste sich dann um Motto, Anmeldung, Route, Transpis, Fahnen usw. kümmern.


Finanz-OG

Hier muss viel Verantwortung übernommen werden und mathematisches Grundwissen angewendet werden. Ihr verwaltet die Camp-Kohle und seid dafür zuständig, dass die Sachen, die wir so brauchen, besorgt werden! Das ist aber alles nicht so schlimm, weil die großen Summen ja bereits im Vorfeld ausgegeben wurden (Honorare und Unterkunft+Verpflegung). Trotzdem macht eine solche OG für die kleineren Anschaffungen Sinn.


Schutz-OG!

Antifas und Linke werden immer wieder von Nazis ausspioniert und angegriffen.Dagegen müssen wir uns schützen. Wenn sie nicht wahrgenommen wird, dann hat diese Gruppe gute Arbeit geleistet. Im Vorfeld wird ein Sicherheitskonzept erstellt und auf dem Camp vorgestellt. So wissen alle, was im Fall eines Angriffes zu tun ist. Und nach einer Nachschicht wird euch meistens das Frühstück bis vor die Zimmertür gebracht, sodass ihr ausschlafen könnt. Dennoch gilt es hier während einer Schutzschicht kein Alk und keine Drogen!


Plenum-OG

Mit 60 Menschen ist ein Plenum schon eine Herausforderung! Die Plenumsgruppe wird die Diskussion moderieren, das Plenum vorstrukturieren, eingreifen wenn wir abgleiten und Auflockerungsspiele vorbereiten. Außerdem achtet sie darauf, dass niemand übergangen wird und stellt zu Beginn der Woche Kommunikationsregeln auf. Diese Aufgabe ist nicht zu unterschätzen und Bedarf auch teilweise etwas durchsetzungsvermögen.

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