Teil 2 unser kleinen Infoserie, diesmal Kapitalismus. Die anderen Definitionen findest du hier
Kapitalismus ist eine Wirtschafts- und Gesellschaftsform, deren oberstes Ziel nicht die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse ist (jeder hat was zu essen, ein Fahrrad etc.), sondern die Gewinnmaximierung. Oder anders: Ein Brot wird gebacken damit es verkauft werden kann und nicht um Menschen zu sättigen. Der Tischler macht einen Tisch, weil er ihn verkauft nicht weil jemand seinen Tisch braucht. Banken spekulieren auf Gewinne/Verluste und vergeben Kredite nicht weil sie so wohltätig sind, Medikamente werden nicht entwickelt um Menschen gesund zu machen etc., etc… Der positive Effekt ist immer zweitrangig. Wenn du das Medikament nicht bezahlen kannst musst du eben verrecken – ganz einfach.
Im Kapitalismus gibt es eine sehr starke Einteilung der Gesellschaft nach unterschiedlichen Merkmalen, die bestimmen wie weit oben jemand in der Hierarchie steht. Zu nennen sind da z.B. der soziale Status (Beruf, Einkommen, Stellung etc.), das Geschlecht oder die Herkunft. Wichtiger aber noch ist die gesellschaftliche Spaltung in Besitzende (Eigentümer) und Besitzlose (Eigentumslose).
Aber ich bin doch nicht besitzlos oder?
Doch bist du – und dann auch wieder nicht
Besitz sagt aus: du hast etwas und besitzt es weil du es brauchst (z.B. ein Fahrrad um in die Schule zu fahren, Brot zum Essen). Eigentum hingegen ist ein zentrales Element im Kapitalismus, welches aussagt: Dieses und jenes gehört mir, auch wenn ich es nicht benutze. Das wichtige dabei ist das die Person dann entscheiden kann wer etwas benutzen kann und wer nicht. Und jetzt in einem Beispiel: Mir gehört eine Fabrik (mein Eigentum) und ich entscheide was produziert wird – die Gesellschaft hat nicht genügend Fahrräder, aber ich will lieber Panzer bauen – im Kapitalismus mein gutes Recht, das vom Staat unter dem Vorwand der Gleichheit rigoros verteidigt wird („Das ich eine Fabrik hab und du nicht ist erst einmal dein Problem“).
Und was ist jetzt das Problem?
Der gesellschaftliche Reichtum – also alles das was die Menschen zusammen erarbeiten – kommt nicht in erster Linie der Gesellschaft zu gute sondern immer dem/der Eigentümer_In. Im Kapitalismus ist Arbeitskraft nur eine Ware wie alles andere auch, die gekauft und verkauft werden kann. Bei unserem Fabrikbeispiel wäre das etwa so: Ich habe 100.000Euro und habe eine Fabrik die Fahrräder produziert. Mit dem Geld bezahle ich die Rohstoffe und die Arbeiter_Innen. Dann werden die Fahrräder verkauft und auf einmal habe ich 150.000Euro… Das geht, weil die Arbeit einen „Mehrwert“ geschaffen hat (Also aus Alu und Schrauben ein Fahrrad gebastelt haben). Und irgendwo muss dieser Mehrwert ja herkommen… Jo, der wurde den Arbeiter_Innen geklaut – oder anders: die erste Hälfte des Tages arbeitest du für dich, die zweite für deine Chef_in. Das ist was wir als Ausbeutung bezeichnen. Die/der Chef_in oder eben der/die Kapitalist_in muss nichts machen, nur besitzen und wird trotzdem reicher. Im Grunde ist er/sie also ein faule_r Arbeitslose_r, der auf Kosten der Gesellschaft lebt
Wie du vielleicht gemerkt hast, ist es sehr hilfreich im Kapitalismus Eigentum (Bäckerei, Fabrik, etc.) zu besitzen. Wenn du all das nicht hast musst du dich nämlich selber verkaufen gehen (bzw. deine Arbeitskraft). Dies reicht vom Putzen, Schrauben, Schießen bis zum Backen. Was du machst sollte flexibel und austauschbar sein, so wie wir es früh in der Schule beigebracht bekommen haben…
Das Schlimme ist, dass durch den Wettbewerb (Bspw. in der Nachbarfabrik werden auch Fahrräder gebaut) gnadenlose Konkurrenz unter den Menschen entsteht – wer entwickelt zuerst die neusten Produkte und kann sie verkaufen – das ist die entscheidende Frage um die sich alles dreht. Befürworter_innen des Kapitalismus sehen das als etwas gutes, weil dadurch sehr schneller Fortschritt entsteht und nur die „Besten“ auf dem Markt bestehen können. Die Frage ist nur zu welchem Preis? Der Fokus liegt klar auf dem Profit, also darauf aus Geld und Eigentum noch mehr Geld zu machen. Den Kapitalisten_innen (Fabrikbesitzer_innen, Bäcker_innen, Tischler_innen) ist es egal wenn dabei die Umwelt zerstört wird oder wenn Menschen an Giften sterben, die durch die Produktion freigesetzt werden.
Der Kapitalismus gibt von Anfang an zu, dass nicht alle gewinnen können. Aber alle können es angeblich zu etwas bringen („vom Tellerwäscher zum Millionär“). Das sind die Märchen, die die Leute anheizen auch untereinander in Konkurrenz zu treten („Guck mal ich will noch weniger Lohn haben, als der neben mir – nimm mich und nicht ihn/sie“). Im Ergebnis ist der Kapitalismus verantwortlich für den Welthunger (bis zu 100.000 Menschen sterben jeden Tag an Unterversorgung (Essen, Trinken, Medikamente), mehr als 1 Milliarde Menschen sind unterernährt), Umweltzerstörung, Krieg und dafür dass unser Leben nicht schön sondern stressig ist. Und das obwohl für alle genug da wäre.
FazitEine Gesellschaftsform die soviel Schisse baut und uns nichts zu bieten hat, als jeden Monat ein neues Iphone (doch um welchen Preis…), überlebensgroße Werbeflächen, Drucker mit Selbstzerstörungsmechanismen usw. ist für uns Moppelkotze! Das die Mehrheit arm sein muss(!), damit eine Handvoll Menschen super-reich ist? Moppelkotze! Kapitalismus wir wünschen dir alles schlechte! An deinem Grab werden wir ganz sicher nicht heulen.
