Das Ravensbrück-Camp, welches wir zusammen mit euch planen, hat folgende Grundsätze:
Antifaschistisch!
Das Camp versteht sich als eine antifaschistische Initiative. Wir wollen uns während des Camps mit den Verbrechen der Nazis auseinandersetzen, ihre Vorgehensweisen interpretieren und die notwendigen Schlüsse für unsere heutige Gesellschaft ziehen. Nur wenn wir verstehen, worauf die Ideologie der Faschisten aufbaut, werden wir in der Lage sein den Faschismus von heute effektiv zu bekämpfen.
Emanzipatorisch!
Emanzipation bedeutet frei übersetzt: Selbstbefreiung und Ermächtigung. Wenn wir uns als emanzipatorisch bezeichnen, heißt das für uns, dass wir gesellschaftlichen Zuständen, die uns schon lange ankotzen, den Kampf ansagen. Und leider gibt es davon viel zu viel: Ob nun Mackertum, Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Rassismus, Antisemitismus – wollen wir alles nicht haben. Für das Camp heißt das: Wir akzeptieren die Verschiedenheit aller Teilnehmenden in jeder Hinsicht. Wer aber andere aufgrund von irgendwelchen tatsächlichen oder zugeschriebenen Eigenschaften diskriminiert, hat auf dem Camp nichts zu suchen. Das müssen wir schon das ganze restliche Jahr ertragen! Die Campwoche bedeutet Schutz- und Rückzugsraum für alle Beteiligten.
Selbstermächtigung!
Ebenso wichtig ist es, ein anderes Verhältnis zu Arbeit zu entwickeln. Wir (die Vorbereitungsgruppe) werden euch keine mundgerechten Häppchen servieren. Auch das gibt es schon überall viel zu oft. Das Camp ist viel mehr ein Gemeinschaftsprojekt, welches eben nur ein Erfolg sein kann, wenn sich auch alle irgendwie nach ihren Möglichkeiten einbringen. Oder anders ausgedrückt: “Wir brauchen keinen starken Mann, denn wir sind selber stark genug! Wir wissen selber was zu tun ist, unser Kopf ist groß genug!” (Rio Reiser – R.I.P.)
Hierarchien einschränken
Dieser Punkt hängt eng mit dem vorherigen zusammen, verdient aber eine “Extra-Würdigung”, weil es hiermit bekanntlich die meisten Probleme gibt… Hierarchien abbauen bedeutet, dass nicht einzelne Personen durch ein “mehr an Wissen und Funktionen” auch mehr zu sagen haben. Alle Camp-TeilnehmerInnen haben gleich viel zu entscheiden und mit zureden. Und das muss auch immer wieder eingefordert werden. Denn nur so können wir auf Augenhöhe miteinander leben und arbeiten!
Basisdemokratie
Wir sind unzufrieden mit der bestehenden parlamentarischen Demokratie in diesem Land! Demokratie ist für uns, Einfluss auf ALLE Prozesse zu haben, die das eigene Leben betreffen – ein Kreuz alle paar Jahre reicht uns nicht, wir wollen uns selbst um unsere Belange kümmern. Bewegung und positive Veränderungen kommen immer von “unten” – die Einschränkung dieser erkämpften Freiheiten jedoch ausschließlich von “oben”. Wir tragen diese Erkenntnisse im Herzen und wollen sie in das Camp einfließen lassen.
Antikapitalistisch
Ein Wirtschaftssystem, dass nicht für die Bedürfnisse der Menschen, sondern lediglich für den Profit einzelner produziert, hat in unseren Augen kein Recht sich sozial und frei zu nennen. “Frei” ist im Kapitalismus nur die Verfügungsgewalt über das “eigene” Eigentum. Den 800 Milliardären auf diesem Planet stehen 800.000.000 Millionen Hungernde gegenüber. Und auch das Siemenslager war in der kapitalistischen Verwertungslogik nur eine konsequenter und legitimer Schritt sich gegen Konkurrent_Innen durchzusetzen. Ellenbogengesellschaft, fremdbestimmte Lohnarbeit, Verwertungszwang – finden wir alles scheisse. Erst wenn der gesellschaftliche Reichtum auch gerecht unter den Menschen geteilt wird und diese zusammen entscheiden, was wo wie wann und warum produziert wird – erst dann kann Hunger und Krieg auch wirksam bekämpft werden.
